Im Fokus


Die Erfolgsprinzipien institutioneller Vermögen 

 

Manche institutionellen Vermögen zeichnen sich bereits über Jahrzehnte durch konstant überdurchschnittliche Renditen aus. Was können Wholesale-Investoren von den Anlagestrategien dieser so beständig erfolgreichen Investoren lernen? Lupus alpha ist dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis vorweg: Sie tun an sich nichts anderes, als die grundlegenden Erkenntnisse erfolgreichen Investierens zu beherzigen. Dies aber wirklich konsequent.

 

Lupus alpha erhält regelmäßig die Gelegenheit, Einblick in die Strategien nachhaltig erfolgreicher institutioneller Investoren zu nehmen. So war zum Beispiel David Swensen 2017 zu Gast in Frankfurt, als Sprecher auf dem Lupus alpha Investment Fokus. Der langjährige CIO des Yale Investment Office verantwortet das Stiftungsvermögen der US-Universität Yale. Von seiner Investmentstrategie, ebenso wie von der Anlagepolitik vieler anderer großer institutioneller Vermögen, können auch Wholesale-Investoren lernen, indem sie auf die wichtigsten Erfolgsprinzipien schauen.

 

Was am stärksten auffällt, ist die hohe Aktienquote bei einigen bekannten Staatsfonds und Stiftungen, die sich durch ihren langfristig überzeugenden Track Record auszeichnen – bis zu 70 Prozent wie beim Norwegischen Pensionsfonds sind hier eher die Regel (Grafik 1). Ebenfalls auffällig ist die breite Diversifikation der Vermögen über verschiedene Anlageklassen sowie Segmente und Regionen (Grafik 2). Diese Beobachtung deckt sich mit unserer Erfahrung als Asset Manager: Institutionelle Investoren, auch die nicht ganz so großen, fragen uns immer zuerst: „Wie ergänzt eure Strategie unser Portfolio – und welche Diversifikationsvorteile bringt sie uns?“ Es nutzt eben wenig, den dritten europäischen Aktienfonds mit Benchmark EURO STOXX 50 im Depot zu haben. Allerdings kann es sehr nützlich sein, Small und Mid Caps ins Portfolio zu holen, wenn diese noch unterrepräsentiert sind. Der norwegische Staatsfonds zum Beispiel weist in Echtzeit aus, wie extrem vielfältig er gerade investiert ist (ext. Link).

 

Grafik 1: Asset Allocation des Norwegische Pensionsfonds

 

Quelle: investments.yale.edu, Stand: 31.12.2018

 

Gelassen in schwierigen Marktphasen

 

Eine weitere Erkenntnis: Je länger der Anlagehorizont, desto gelassener können Anleger auch schwierige Marktphasen durchstehen. Institutionelle Investoren haben in der Regel einen Anlagehorizont von bis zu 30 Jahren. Das erleichtert es ihnen, ihre langfristige Allokation nicht aufgrund kurzfristiger Marktereignisse über Bord zu werfen. Die eigene Strategie über Konjunktur- und Marktzyklen hinweg beibehalten zu können und gerade schwache Phasen zum antizyklischen Investieren zu nutzen, ist eine der großen Stärken erfolgreicher institutioneller Investoren.

 

Eine interessante Beobachtung aus jüngerer Zeit: Immer mehr Investoren legen steigenden Wert auf die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien in der Portfoliokonstruktion und vergeben ihre Mandate entsprechend. Auch hier spielen Staatsfonds wie der norwegische Pensionsfonds eine Vorreiterrolle. Vermehrt wird in Unternehmen mit guten ESG-Scores unter dem Gesichtspunkt der Risikominderung investiert. Wer sein Unternehmen im ESG-Sinn gut führt, riskiert im Zweifel keine teuren Konflikte mit dem Gesetzgeber, Kunden oder anderen Stakeholdern. Auffällig ist, dass ESG derzeit noch beinahe ausschließlich ein Anlagethema im institutionellen Bereich ist. Nach Erhebung des „Forums Nachhaltige Geldanlage“ stammten Ende 2018 rund 93 Prozent der nachhaltigen Geldanlagen in Deutschland von institutionellen Investoren – und nur sieben Prozent von Privatinvestoren.

 

Komplexe Konstruktionen meiden

 

Einer der wichtigsten Grundsätze ist und bleibt: Halte die Dinge einfach – und lass die Finger von Anlagen, von denen du nichts verstehst. Zum Beispiel ist es vielen institutionelle Investoren in der jüngeren Vergangenheit nicht gelungen, bei Hedgefonds- oder Alternativen Strategien erfolgreich die Spreu vom Weizen zu trennen. Heute überlassen sie die Selektion deshalb eher Spezialisten. Gar nicht mehr zu finden sind heute Schiffsfonds oder ähnliche Produkte, die früher einmal im Zuge von Steuersparmodellen aufgelegt worden sind. Ähnliches gilt für Hebelprodukte, Zertifikate oder andere komplexe Konstruktionen. Auch hier zeigt sich ein Trend, je komplexer die Produkte, desto weniger sind sie gefragt.

 

Eine hohe Aktienquote, breite Diversifikation, langer Anlagehorizont, eine ruhige Hand in schlechten Marktphasen, keine komplexen Produkte: Wer sich konsequent an diese wesentlichen Prinzipien des Investierens hält, kann sich dem langfristigen Erfolg zum Beispiel der von David Swensen geleiteten Yale-Stiftung annähern. 2018 konnte das Stiftungsvermögen die Marke von 29 Mrd. US-Dollar überschreiten, wesentlich dazu beigetragen hat die Performance. Allein in den vergangenen 20 Jahren hat das Investment Office eine annualisierte Rendite von 11,8 Prozent erzielt. In noch einmal andere Dimensionen dringt der norwegische Pensionsfonds mit mehr als 800 Mrd. US-Dollar Vermögen vor. Das Kapital wird durch die Erlöse aus der Erdölförderung gespeist und soll das Land auf die Zeit nach Versiegen der Rohstoffreserven vorbereiten. Seit 1998 erwirtschaftet der Fonds durchschnittlich eine jährliche Rendite von 5,8 Prozent.

 

Freiheitsgrade in der Asset Allocation nutzen

 

Eher zurückhaltende Renditeerwartungen, wie sie in der Regel auch von Versorgungseinrichtungen in Deutschland verkündet werden, liegen auch an bestimmten gesetzlichen Restriktionen. Diese lassen oft nicht die notwendigen Freiheitsgrade in der Asset Allocation zu, um höhere Renditeziele zu erreichen. Vor diesem Hintergrund liegt der Durchschnitt aller institutioneller Investoren in Deutschland bei einer Aktienquote von gerade einmal 15 Prozent. Wer mehr Freiheiten hat, so wie Wholesale-Investoren, sollte sie nutzen, aber auf mit Verlustphasen rechnen. So hat auch der norwegische Staatsfonds immer wieder Verluste geschrieben – zuletzt 2018 mit einem Minus von 6,1 Prozent, oder 2008 von sogar 23,1 Prozent – sich aber stets davon erholt. Denn: nur wer kontrolliert Risiken eingeht, kann von den Chancen an den Aktienmärkten profitieren.

 

Grafik 2: Yale Investments Office: Asset Allocation 1968 bis 2018 im Zeitverlauf

 

Quelle: investments.yale.edu, Stand: 31.12.2018

 

Dos & Don’ts

 

Dos

• Hohe Aktienquote

• Breite Diversifikation über Segmente und Regionen

• Möglichst langfristiger Anlagehorizont

• Strategie über Marktzyklen hinweg beibehalten

• In schwachen Marktphasen antizyklisch investieren

• Spezialthemen den Spezialisten überlassen

• Nachhaltigkeitsansätze favorisieren

 

Don‘ts

• Hoher Anteil an Liquidität im langfristigen Anlagevermögen

• Steuersparmodelle

• Intransparente, schwer verständliche zu komplexe Strategien

• Für das Nachhaltigkeits-Etikett auf Rendite verzichten

 

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