Volatilitäts-Strategie


Short-Vola lebt!

 

Die seit Mitte März dramatisch angestiegene Volatilität an den Aktienmärkten hat uns für einige Wochen ein kleines Drama in fünf Akten beschert – im Fall der Short-Vola-Strategien von Lupus alpha allerdings mit (nicht ganz unerwartet) gutem Ausgang. Hier zum besseren Verständnis eine kleine Rekonstruktion der hinter uns liegenden Ereignisse. Wir halten uns, wenn auch nicht allzu streng, an die Struktur des klassischen griechischen Dramas.

 

1. Akt: Exposition

 

Bühnenbild: die gute alte Welt, alle geht seinen geregelten Gang. Fans von „Herr der Ringe“ würden sagen, wir befinden uns im idyllischen „Auenland“. Übersetzt auf Short-Vola-Strategien bedeutet das, sie sammeln Prämie um Prämie von Marktteilnehmern ein, die ihre Portfolios gegen unerwünscht hohe Marktschwankungen absichern wollen. Daraus ziehen die Short-Vola-Investoren ihre Rendite. Im Grunde lässt sich die so genannte Volatilitätsrisikoprämie mit einer Versicherungsprämie vergleichen: Wie bei einer Versicherung ist die im Falle überschießender Volatilität an die Marktteilnehmer ausgezahlte Summe geringer als die Summe der von ihnen gezahlten Prämien. Denn weil sie dazu tendieren, die künftig zu erwartende Volatilität zu überschätzen, bewegt sich die Volatilitätsrisikoprämie seit Jahrzehnten im Mittel auf positivem Niveau. Den langfristigen Vorteil haben die Investoren, die diese Prämie mittels geeigneter Strategien in Reinform und effizient für sich vereinnahmen.

 

2. Akt: Krise

 

Doch dann wechselt das Bühnenbild: Corona (in unserer Herr-der-Ringe-Analogie die bösen Orks) erreicht Europa und die einschlägigen Volatilitäts-Indizes, etwa auf den S&P 500, steigen auf Höhen, wie wir sie seit der Finanzkrise nicht mehr gesehen haben, auf über 90 Prozent, im Handelsverlauf teils noch höher. Damit tritt der „Versicherungsfall“ ein – die Marktteilnehmer auf der einen Seite erhalten ihre „Entschädigung“, die Short-Vola-Investoren hingegen müssen spiegelbildlich Verluste in Kauf nehmen. Nüchtern betrachtet könnte man sagen: Jede Versicherung muss eben zahlen, wenn der Leistungsfall eintritt. Auch unser Publikumsfonds Lupus alpha Volatility Risk-Premium C verliert während der Corona-Panik deutlich, sein maximaler Drawdown liegt bei -29%. Allerdings ist seinen Anlegern bewusst, dass die Portfoliomanager den Fonds entsprechend seiner Produktcharakteristik maximal auf das Aktienmarktrisiko skaliert haben. Das vor Augen, schlägt der Fonds sich gegenüber dem EuroStoxx50 (-38%) oder dem S&P500 (-34%) vergleichsweise gut.

 

3. Akt: Tragisches Moment

 

In jedem Epos bleiben leider auch tapfere Helden zurück: In „Herr der Ringe“ ist es der ein oder andere Elbe oder Zwerg. Zu den Corona-Opfern unter den Investmentfonds zählen drei Short-Vola-Strategien verschiedener Anbieter. Einer muss vorübergehend sogar die Rücknahme von Anteilen aussetzen, ein Debakel für die Anleger in einer an sich liquiden Anlageklasse. Ein anderer trägt wortreich vor sich her, warum er diese Anlageklasse für grundsätzlich nicht mehr aussichtsreich hält – ein gesichtswahrender Rückzug. Man könnte auch nüchtern sagen: Es findet eine Marktbereinigung um die weniger krisenresistenten Ansätze statt. Denn jetzt wird es offenbar: Short-Vola-Prämien lassen sich auf höchst unterschiedliche Weise vereinnahmen, weshalb es schon immer angebracht war, sehr genau hinzusehen, wie eine bestimmte Short-Vola-strategie genau aussieht.


Ein kleiner Exkurs für alle, die es genauer wissen wollen: Das einzige Instrument, mit dem die Volatilitätsrisikoprämie in Reinform gehandelt wird, ist der so genannte „Varianz Swap“. Dieser lässt sich durch ein breites Optionsportfolio und einen systematischen Delta-Hedge replizieren. Diesen Ansatz der Replikation verfolgt Lupus alpha. Gehedgt wird erst ab einer definierten Deltaschwelle. Dies kann bei größeren Tagesbewegungen mehrmals täglich erfolgen. Umgekehrt kann es vorkommen, dass bei sehr geringen Marktbewegungen nicht jede Tage gehedgt wird. Auch, wenn der Fonds während der ungewöhnlich hohen Vola-Ausschläge herbe Tagesverluste verkraften musste, zeigt sich, dass dieser Weg offenbar der zukunftsfähige ist.

 

4. Akt: Lösung

 

Romeo und Julia sterben, Hamlet auch, selbst die schöne Halbelfe Arwen aus „Herr der Ringe“. Da halten wir es lieber mit Goethes „Faust“ – der fährt in den Himmel. Kommen wir also zum vierten Akt: Inzwischen hat sich die Lage beruhigt, selbst höhere Tagesschwankungen an den Aktienmärkten von vier bis fünf Prozent führen nicht mehr zwangsläufig zu scharf ansteigender Volatilität. Zugleich führt die bei Marktteilnehmern gestiegene Volatilitätserwartung zu höheren Prämieneinnahmen.


Zu dieser Entwicklung trägt auch bei, dass einige Verkäufer von Volatilität im 3. Akt unserer Tragödie aus dem Markt ausgeschieden sind. Denn die Nachfrage nach Absicherung seitens der Marktteilnehmer ist weiterhin sehr groß. Dies führt für die verbleibenden Anbieter wie Lupus alpha zu überdurchschnittlichen Prämieneinnahmen und Gewinnen. Damit hat die grundsätzliche Attraktivität von Short-Vola-Strategien im aktuellen Marktumfeld eher wieder zugenommen.


Bedeutet konkret: Seit Ende März liegt die Volatilitäts-Risikoprämie im EuroStoxx50 und S&P500 im zweistelligen positiven Bereich und damit auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren. Auf diesem Niveau haben Short-Vola-Strategien ein großes Erholungspotenzial und können deutlich positive Performancebeiträge liefern. So hat der Lupus alpha Volatility Risk-Premium C seit seinem Tiefpunkt am 18.3.2020 bereits wieder +14% Performance aufgeholt (Betrachungszeitraum: 18.03.2020 bis 29.04.2020).

 

5. Akt: Katharsis

 

Sehen Sie es uns nach, wenn „Katharsis“ an dieser Stelle vielleicht nicht der bestpassende Begriff ist, aber er klingt so schön griechisch-tragisch. Unsere eigentliche Profession ist schließlich nicht die Dramaturgie, sondern die Kapitalverwaltung. Wie auch immer: Natürlich werden die Verluste der vergangenen Wochen nicht schon in wenigen Monaten Geschichte sein. Der weitere Verlauf könnte aber ähnlich aussehen wie in den Jahren 2008/2009: Der Krise damals folgten sehr ertragreiche Jahre mit überdurchschnittlich hohen Renditen für Short-Vola Strategien. So konnten die Verluste etwa innerhalb eines Jahres aufgeholt werden. Aus heutiger Perspektive besonders interessant: Gerade in Seitwärtsmärkten, oder auch wenn die Kurse schleichend zehn bis 20 Prozent nach unten bröckeln, können Vola-Fonds deutlich bessere Erträge als Aktien liefern. Mit dieser Eigenschaft können sie einen spürbar diversifizierenden Einfluss auf das Gesamtportfolio ausüben.


Damit fällt der Vorhang – vorerst. Diese Geschichte wird sich irgendwann wiederholen, nicht exakt genau so, aber in ihren Grundzügen. Und jeder, der sich dann an unser Drama erinnert, wird wissen: Alles wird gut. Wenn … Ja wenn … die Strategie nur stimmt.

 

ENDE

 



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