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Der Stoff, aus dem Träume sind - oder warum sich Themenfonds nicht für den langfristigen Vermögensaufbau eignen

Der Hype um Themenfonds reißt nicht ab. Kein Tag vergeht, an dem nicht ein weiterer Fonds an den Markt kommt, der auf einen vermeintlich sicheren Wachstumstrend setzt. Was sich aus Marketingsicht gut verkaufen lässt, nützt jedoch nicht unbedingt dem Anleger, denn Themenfonds bergen zahlreiche Risiken. Anleger sollten besser Fonds mit einem breiten Ansatz wählen, um von allen potenziellen Chancen profitieren zu können.

Dr. Götz Albert, Managing Partner und CIO von Lupus alpha

Themenfonds werden immer beliebter. Laut einer aktuellen Erhebung der Ratingagentur Morningstar hatten Anleger per Ende März 2021 weltweit rund 600 Mrd. US-Dollar in Themenfonds investiert. Das entspricht zwar nur 2,1 Prozent des insgesamt in Aktienfonds investierten Vermögens, vor zehn Jahren waren es jedoch erst 0,6 Prozent.

Klingt nach einer Erfolgsgeschichte. Aber erfüllen die Fonds auch die Erwartungen der Anleger? Lassen Sie mich dazu eine kleine Begebenheit erzählen:

Als ich kürzlich in einer Stadtteilbibliothek war, konnte ich zuerst nicht erkennen, nach welchen Kriterien die Bücher sortiert waren. Ich fragte nach und erhielt als Antwort: „Nach Themen“. Ich fragte mich zwar, wie ich das richtige Thema finde, machte mich in den Regalen aber auf die Suche nach einem passenden Buch.

Auch Anleger müssen bei Themenfonds das richtige Thema finden, um zum Ziel zu kommen. Richtig heißt in diesem Fall, dass das Thema Wachstumspotenzial besitzt sowie eine gute Performance erwarten lässt oder zumindest einen positiven Beitrag zur Lösung der Probleme dieser Welt bietet - so, wie es die Marketingabteilungen der anbietenden Fondsgesellschaften versprechen und wie man es auch verstärkt in den Medien lesen kann. Moment, zukünftige Performance in der Zeitung lesen? Das hat leider noch nie funktioniert. Das Wesen eines Investments besteht nun mal darin, dass man eben nicht genau weiß, was in der Zukunft passiert – und daher auch nicht, welches Thema, welche Technologie, Prozessinnovation oder welcher Vertriebsweg sich in Zukunft mit Sicherheit durchsetzen wird.

Richtiges Thema heißt nicht unbedingt gute Performance

Die vermeintliche Sicherheit kann dabei viel Schaden anrichten. Erinnern Sie sich noch an die Telemedien-Fonds der 2000er Jahre? Natürlich hat sich das Internet durchgesetzt und ist heute nicht mehr wegzudenken. Konnte man aber daher mit den ersten Internetwerten eine gute Performance erzielen? Haben nicht die meisten Anleger mit Fonds, die hohe Gewichte in Cisco Systems, der Deutschen Telekom oder TelDaFax hatten, nichts als Verluste eingefahren? Eigentlich kann das doch gar nicht sein, da sich das zugrundeliegende Thema ja durchgesetzt hat. Oder nehmen Sie Fonds für erneuerbare Energien. Wie verheißungsvoll starteten die deutschen Solarwerte! Und wer heute durch das schöne Allgäu fährt, kann in jedem Ort beobachten, dass sich das Thema durchgesetzt hat. Die deutschen Solarwerte liefen allerdings nur so lange gut, bis China einen Dumpingwettlauf zur Stimulierung der eigenen Fertigung lostrat und letztlich als dominierender Anbieter übrigblieb. Der Rest ist ein trauriges Kapitel deutscher Wirtschaftsgeschichte. Und diese Fixierung auf ein einzelnes Thema soll die Basis für den langfristigen Vermögensaufbau, meist für die eigene Altersvorsorge, sein?

Keine frühphasigen Investments

Neben der Schwierigkeit, die richtigen Themen zu identifizieren, hat das Segment ein weiteres Kernproblem: Die spezifischen Fonds kommen häufig erst dann an den Markt, wenn das Thema schon die beste Performance hinter sich hat. Oder konnte man im Februar 2020 Fonds zu den Themen „Impfstoffproduktion“ oder „Homeoffice“ finden? Gab es einen „Pandemiebekämpfungsfonds“, der in Unternehmen mit Schwerpunkt in Maskenproduktion, Luftfilterherstellung, Beatmungsgeräten oder Schnelltests investiert war? Fehlanzeige! Was es aber gab, waren zum Beispiel Aktienfonds, die eine signifikante Allokation in Hersteller von Medizintechnik (wie Drägerwerk), Test- und Forschungsmaterialien (wie Qiagen) oder die Lieferung von Kochboxen (wie HelloFresh) hatten – unabhängig von der Pandemie und nicht als „Thema“, sondern als Investition in langfristig gute Geschäftsmodelle, die sich dann auch in einer radikal veränderten Welt sehr gut bewährt haben.

Vorsicht, Klumpenrisiko!

Themenfonds können zudem so genannte Klumpenrisiken bergen, da es sich in der Regel um konzentrierte Portfolios handelt, in denen alle Aktien von denselben Treibern abhängen. Häufig sind besonders prominente Einzelwerte dazu noch hoch gewichtet und dominieren das Portfolio. Klumpenrisiken bemerkt man leider immer erst dann, wenn einem der Klumpen schwer um den Hals hängt und unaufhaltsam in die Tiefe zieht. Solche Risiken sollten daher am besten gar nicht erst eingegangen werden. Denn was man nicht hat, muss man nicht reparieren.

Problem der Überbewertung

Ein weiterer Aspekt ist die häufig höhere Bewertung von Aktien, die einem gerade angesagten Thema zuzuordnen sind. Dadurch, dass Themenfonds aus der Vogelperspektive auf alle Unternehmen schauen, die für ein Thema stehen, finden sie auch solche, die sich nur das passende „Themenkleid“ angezogen haben. Dabei besteht die Gefahr, die Schwäche eines kurzlebigen Geschäftsmodells, eines schlechten Managements oder eines unausgereiften Produktes zu übersehen, weil das Unternehmen ja so gut in die Gesamtkomposition des Themas passt. Schlechte Qualität zu akzeptieren, hat sich performancemäßig allerdings noch immer bitter gerächt. Auch wenn ein Thema gesellschaftlich relevant ist, muss das einzelne Geschäftsmodell überzeugen – egal wie schön die Verpackung ist.

Langfristiger Erfolg ist fraglich

Schließlich ziehen Anleger, deren Erwartungen von Themenfonds enttäuscht wurden, ihre Gelder oft rasch wieder ab, wodurch solche Fonds dann schnell zu klein und unrentabel für die anbietenden Fondsgesellschaften sind und geschlossen werden. Morningstar kommt in seiner aktuellen Untersuchung zu dem Ergebnis, dass jeder fünfte Themenfonds bereits nach fünf Jahren wieder geschlossen wurde. Nach 15 Jahren war sogar mehr als die Hälfte der Produkte wieder liquidiert. Diese Fondsschließungen bringen Langfristanleger dann nicht selten in die Situation, Verluste realisieren zu müssen, was ihrem langfristigen Vermögensaufbau vollends zuwiderläuft.

Breit aufgestellte Aktienfonds bieten größere Chancen

Um die Risiken bei der Konzentration auf ein einzelnes Thema zu vermeiden, sollten Anleger lieber einen breiten Ansatz wählen, um von allen potenziellen Chancen profitieren zu können und nicht nur von denjenigen, die durch ein vermeintlich sicheres und attraktives Thema verkörpert werden. Ich bin davon überzeugt, dass die Vielfalt der uns umgebenden ökonomischen Welt es verdient, einen thematisch ungefilterten Weg in das Portfolio zu finden. Geeignet sind dafür Aktienfonds, die aus einem sehr großen Universum – häufig mit mehreren tausend Aktien – auswählen können, wie es für Small- und Mid Cap-Universen in den USA, Asien und Europa typisch ist. In jedem Small- und Mid Cap-Fonds sind die wichtigsten Zukunftsthemen durch Einzelwerte enthalten – aber eben nicht nur. Die Diversifizierung über viele Themen und Geschäftsmodelle ist dabei die wirkliche Chance, die kein noch so gut gemeinter Themenfonds bieten kann. 

Und, habe ich in der Bibliothek ein Buch gefunden? In der Mitte des mittleren Regals stand zufällig eines mit dem Titel: „Der Stoff, aus dem Träume sind“. Damit hatte ich die Anregung gefunden, die ich gesucht hatte. Das Buch habe ich ausgeliehen. Bei der Fondsanlage bleibe ich stattdessen lieber bei meinem breit aufgestellten Portfolio.

 

 

 

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