Lupus alpha

Die Freiheit ist tot. Es lebe die Freiheit!

Dotcom, Lehman, "Whatever it takes", Corona, Ukraine-Krieg: Der Staat ist stets unser Retter in der Krise. Dafür haben wir den zunehmenden staatlichen Einfluss auf Wirtschaft und Gesellschaft in den letzten Jahren in Kauf genommen. Doch wir sollten eines nicht vergessen: Es ist nicht der Staat, der wirtschaftliches Wachstum und dauerhaften Wohlstand ermöglicht, sondern die freien Marktkräfte! Nur wenn wir zu mehr Freiheit und Eigenverantwortung zurückfinden, werden wir zu den Gewinnern der neuen Weltordnung gehören.


Ralf Lochmüller, CEO und Gründungspartner von Lupus alpha

Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg haben dem Staat ein fulminantes Comeback beschert. Betrug die Staatsquote, also das Verhältnis der Ausgaben des Staates zum Bruttoinlandsprodukt, in den 1960er Jahren noch um die 35 Prozent, lag sie nach der Jahrtausendwende bereits zwischen 43 und 48 Prozent. Im Corona-Jahr 2020 übersprang sie dann erstmals die Marke von 50 Prozent, im vergangenen Jahr lag sie sogar bei 51,6 Prozent.1 

So nachvollziehbar der Ruf nach dem Staat in der Krise ist, so nachteilig ist er für die Freiheit und Eigenverantwortung eines jeden Einzelnen. Während der Corona-Pandemie, in der der Staat fast täglich neue Einschränkungen und Verordnungen erlassen hat, hatten wir uns fast daran gewöhnt, dass jemand anders für uns entscheidet und die Richtung vorgibt. Außerdem ist es ja auch beruhigend, dass irgendwann ein rettender Engel auftritt und Kurzarbeitergeld und staatliche Hilfen verteilt. Aber das ist die Ausnahme und nicht der Normalzustand. Staatseingriffe heilen kurzfristig Wunden, bringen uns aber langfristig nicht weiter. Vor allem nicht, wenn man die vielfältigen politischen und wirtschaftlichen Probleme in der Welt betrachtet.

Und die aktuelle Gemengelage ist in der Tat sehr herausfordernd.

Der Ukraine-Krieg treibt die ohnehin bereits explodierenden Energie- und Rohstoffpreise, die Inflation in Deutschland steigt rasant, Lieferketten sind erneut unterbrochen, Wachstumsprognosen werden drastisch nach unten korrigiert, einige Ökonomen befürchten sogar eine weltweite Rezession. Und mehr noch: Die Welt zerfällt in geopolitische Machtblöcke, an deren Grenzen sich auch der Welthandel neu ausrichten muss. Hier wirkt der Ukraine-Krieg wie ein Brandbeschleuniger auf einen Trend, der spätestens seit der Ära Trump läuft: die Deglobalisierung. Dass Deutschland als Exportnation hier viel zu verlieren hat, liegt auf der Hand. 80 Prozent der deutschen Bruttowertschöpfung2 werden nach Berechnungen des Forschungsinstituts Prognos nur durch Geschäfte mit dem Ausland möglich. Insgesamt 8,4 Millionen Arbeitsplätze hängen am Außenhandel.

Und dann schwächelt auch noch Chinas Wirtschaft.

China ist nach Europa und den USA der wichtigste Handelspartner für Deutschland. Daher bleibt die Null-Covid-Politik mit weit verbreiteten Lockdowns in China auch für uns nicht ohne Folgen. Im April gingen die chinesischen Exporte in die Bundesrepublik – berechnet gegenüber dem Vorjahresmonat in US-Dollar – um neun Prozent zurück. In der Gegenrichtung sanken Chinas Importe deutscher Waren um knapp zehn Prozent.3 Verfestigt sich dieser Trend, stehen bei uns Zehntausende Jobs auf dem Spiel. Aber auch China selbst leidet, wie das Beispiel des abgeriegelten Shanghais zeigt. Das Wachstum verlangsamt sich zwar schon länger, durch makroökonomische Steuerung konnte das Land einen gravierenden Abschwung jedoch bisher vermeiden. Aber keine noch so umsichtige Steuerung kann die Lage retten, wenn die chinesische Führung die falsche Covid-19-Strategie eingeschlagen hat! Ihre Politik verdeutlicht zudem, welch´ geringen Stellenwert die Freiheit des Einzelnen dort hat.

Die Zeiten geopolitischer Blindheit sind vorbei.

Zugegeben, die Aussichten sind nicht rosig. Aber den Kopf in den Sand zu stecken, ist keine Option. Es wird Zeit, dass die Unternehmen in Deutschland aus ihrer Schockstarre herausfinden und sich auf ihre Stärken besinnen. Nach dem Motto, jetzt erst recht!

Tatsächlich ändert sich gerade Einiges auf den Führungsetagen, wie unsere Gespräche mit Unternehmen aus dem Small & Mid Cap-Universum zeigen. Da tagen mehrmals in der Woche Krisenstäbe, Handelspartner und Lieferketten werden überprüft, politische Analysen in Auftrag gegeben, um Investitionsentscheidungen abzusichern, und Szenarien durchgespielt für den Fall, dass der Krieg noch lange dauert oder sich – im worst case – ausweitet.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass in den Unternehmen eine neue Nüchternheit einkehrt - und das ist gut so. Die Risiken der Zusammenarbeit mit mächtigen Diktaturen werden nicht mehr wie in der Vergangenheit ignoriert, sondern offen diskutiert und neu bewertet. Nach einer aktuellen Umfrage des Ifo-Instituts will jedes zweite deutsche Unternehmen seine Abhängigkeit von chinesischen Zulieferungen reduzieren. Auch in Berlin und Brüssel arbeitet man an neuen China-Strategien, auch hier lautet die Devise: mehr Distanz.

Eine größere Unabhängigkeit von russischen Ressourcen und chinesischen Zulieferungen bietet Chancen für Deutschland und Europa.

Es wird die Energiewende forcieren und Investitionen zum Beispiel in Sektoren fördern, die zur Reduktion der Abhängigkeit, aber auch zur Klimaneutralität beitragen. Unternehmen, die hier aktiv sind, werden einen Innovationsschub und stärkeres Wachstum verzeichnen. Und damit meine ich nicht nur die großen Player, sondern auch die kleinen und mittleren Unternehmen, die namentlich zwar weniger bekannt sind, jedoch eine hohe internationale Präsenz besitzen und oft Marktführer in ihrem Segment sind. Von diesen Unternehmen gibt es in Deutschland und Europa eine ganze Reihe.

Beispiel Vicat, ein französischer Zement- und Baustoffhersteller, der, wie die gesamte Branche, unter starker ESG-Beobachtung steht, da die Produktion von Zement extrem viel CO2 freisetzt. Das Unternehmen hat ein innovatives Verfahren entwickelt, das es erlaubt, Zement mit einem negativen CO2-Fußabdruck zu produzieren.

Ein weiteres Beispiel ist Carl Zeiss Meditech. Das Medizintechnik-Unternehmen entwickelt kontinuierlich neue Techniken zur Behandlung von Krankheiten, welche die bisherigen Behandlungen teilweise radikal vereinfachen und verbessern. So wurde zum Beispiel die sog. SMILE-Prozedur entwickelt – eine minimal-invasive Augenlaserkorrektur, die zu einem Paradigmenwechsel bei der Augenlaser-Korrektur geführt hat. 

Oder nehmen Sie Francaise de l‘ Energie. Das Unternehmen gewinnt Gas aus stillgelegten Kohlebergwerken zurück, verkauft einen Teil dieses Gases an das französische Gasnetz und nutzt den Rest zur Erzeugung von Ökostrom. Durch die Aufbereitung des Gases in den Bergwerken trägt das Unternehmen wesentlich dazu bei, dass jährlich mehr als drei Millionen Tonnen CO2-Äquivalente vermieden werden.

Es gibt sie also, die mutigen, innovativen Unternehmen, die trotz Krieg und Krisen die Welt verbessern.

An diesen sollten wir uns ein Beispiel nehmen und uns aus unserer Lethargie heraustrauen! Die größten Innovationssprünge und Entwicklungsschritte folgen meist nach schweren Krisen. Insofern sollten wir die Zeitenwende als Chance nutzen: Weniger Staat und Regulierung, stattdessen mehr Freiraum für Eigeninitiative und entschlossenes Handeln

Und der Investor?

Auch der kann einen Beitrag leisten. Denn wie man es auch dreht und wendet, an einer möglichst hohen Aktienquote kommen Investoren auch bei den absehbar höheren Inflationsraten nicht vorbei.

Wer die Schwankungen an den europäischen Aktienmärkten aushält, kann bei breiter Diversifikation antizyklisch investieren und so Chancen nutzen. Wer nur ein begrenztes Risikobudget besitzt, sollte darüber nachdenken, Wertsicherungskonzepte in die Anlagestrategie zu integrieren. So oder so – Anleger stellen auf diese Weise Kapital für innovative Unternehmen und Geschäftsfelder zur Verfügung und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur zukünftigen Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit von Deutschland und Europa.



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1 Quelle: Bundesministerium für Finanzen
2 Die Bruttowertschöpfung misst die Entstehung der Wirtschaftsleistung auf der Herstellerseite - ohne Gütersteuern, aber einschließlich der empfangenen Gütersubventionen.
3 Quelle: Forschungsinstitut Prognos

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