Lupus alpha

Fallstricke beim Fondskauf: Wenn Awards den Blick vernebeln.

Was für ein Ereignis: Am Sonntag wurden vor rund 3.400 Gästen im Dolby Theatre in Hollywood zum 94. Mal die Academy Awards of Merit, besser bekannt als „die Oscars“, verliehen. Die Tragikomödie „Coda“ wurde als bester Film ausgezeichnet – ganz offensichtlich ein Muss für alle Kinofreunde. Oder doch nicht? Wer Science Fiction dem Genre „Tragikomödie“ vorzieht, dürfte sich an „Dune“ mehr erfreut haben (6 Oscars, aber eben nicht „bester Film“). Bei Fonds ist es nicht anders: Awards sind ein schöner Indikator, für einen Kauf aber weder notwendige noch hinreichende Bedingung. Welche oft zu wenig beachteten Faktoren auch eine Rolle spielen sollten, lesen Sie in dieser Ausgabe des leitwolfs view.

Die vom Ukrainekrieg ausgelösten politischen und wirtschaftlichen Unwägbarkeiten verunsichern Fondsanleger, ob sie jetzt investieren sollen. Doch ist die Entscheidung pro Investment getroffen und ist sich der Investor über die gewünschte Asset-Klasse im Klaren, kommt er zur nächsten Frage: Welcher ist der „beste“ Fonds? Die naheliegende Antwort: Der mit dem besten Ranking, Rating oder Award. Es ist nicht der schlechteste Start, Auszeichnungen zur ersten Orientierung heranzuziehen. Aber der eigentliche Auswahlprozess muss weit darüber hinausgehen.

 

Oliver Böttger, Partner, Senior Relationship Manager und Leiter Vertrieb Wholesale bei Lupus alpha

Nicht falsch verstehen: Auch wir freuen uns über Awards, Auszeichnungen, Sterne und gute Platzierungen unserer Fonds. Sie sind Anerkennung für unsere bisherige Leistung, Bestätigung für unseren bisherigen Weg und – das vor allem – Ansporn, auch in Zukunft unser Bestes für eine gute Performance zu geben. Selbstredend werben auch wir mit unseren Auszeichnungen, denn sie belegen, dass wir bis hierher gute Arbeit geleistet haben. Trotzdem gewinnen wir auch immer wieder Ausschreibungen mit nicht ganz so hoch dekorierten Fonds. Oder wir belegen mit vielfach ausgezeichneten Produkten „nur“ den zweiten Platz im Pitch. Woran liegt das?

Es liegt häufig daran, dass ein nicht ganz so hoch dekorierter Fonds besser ins Portfolio des Kunden passt. Oder dass das Produkt, das mit zahlreichen Auszeichnungen glänzt, sich trotz aller hervorragenden Platzierungen nicht so gut in das Portfolio des Kunden einfügt.

Wann ist ein Fonds gut?

Leider hat nicht jeder Anleger seine persönlichen Kriterien so klar vor Augen. Immer wieder sagen mir Investoren, sie suchen einen „guten Fonds“. Das führt zu der Frage: Wann ist ein Fonds „gut“ – was ist das entscheidende Kriterium? Geht es um die reine Performance? Um die risikoadjustierte Performance? Um den Investmentprozess im Kontinuum von streng regelbasiert bis diskretionär? Um den Track Record? Um viel oder wenig Beta? Denken Sie sich Ihre eigenen Kriterien hinzu.

Preise und gute Platzierungen in Rankings legen sich wie ein Nebel über diese Kriterien, die sich von Anleger zu Anleger stark unterscheiden können. Dazu folgendes Beispiel: Nehmen Sie einen Aktienfonds, der im Vorjahr seine Vergleichsgruppe um Längen abgehängt hat und alle Rankings dominiert. Kaufen? Wie immer gilt: Kommt drauf an. Sie schauen tiefer in die Allokation des Fonds und stellen fest, dass er extrem offensiv in Growth-Aktien investiert ist. Jetzt können Sie kaufen a) wenn Sie sich mit diesem offensiven Ansatz wohlfühlen und b) davon ausgehen, dass Growth-Titel bald ihre aktuelle Schwäche überwinden. Oder Sie schauen sich die Plätze Zwei bis Zwanzig im Ranking genauer an und stellen fest, dass sich darunter Fonds befinden, die ausgewogener investieren und deutlich besser zu Ihnen passen – und kaufen den Fonds also nicht.

Wichtig ist eben nicht, ob ein Fonds in der Vergangenheit die beste Performance hatte oder in der Vergangenheit gut zur eigenen Strategie passte. Viel wichtiger ist, dass er in Zukunft zu den eigenen Anforderungen passt und dass man ihm zutraut, in den kommenden Jahren eine im gegebenen Rahmen gute Performance abzuliefern. Die einzelne Auszeichnung ist für ein solches Urteil ohnehin wertlos. Ohne Zweifel können aber über die Jahre immer wiederkehrende Auszeichnungen und Top-Rankings ein Hinweis darauf sein, dass ein Fonds in die engere Auswahl kommen sollte. Das führt im nächsten Schritt auf die Ebene des Asset Managers und dessen Fähigkeit, über mehrere Zyklen hinweg überdurchschnittliche Ergebnisse zu liefern. Als Lupus alpha sprechen wir hier natürlich vom aktiven Management und dem damit verbundenen Ziel, langfristig eine bessere Rendite zu erzielen als der breite Markt. Was behindert oder begünstigt ein konsistentes Erreichen dieses Ziels?

Ohne Freiheiten kein Alpha

Nach unserer Überzeugung hängt viel davon ab, wie viele Freiheiten dem Portfolio Management zugestanden werden, sich in seinen Investmententscheidungen von der Benchmark zu lösen. Manche Fondsgesellschaft  gibt ihren Portfolio-Managern diese Freiheiten nicht. Sie zwängen ihre Management-Teams in ein Korsett kleinteiliger Investmentprozesse, das kaum noch Raum für kreative Investmentideen lässt – das Gleichgewicht zwischen Kontrolle und Sinn für Chancen ist gestört. Keine Frage: Klare, verbindliche, sanktionierbare Richtlinien und Risikovorgaben für Portfolio Manager sind unverzichtbar – Freiheit ist nicht mit Willkür zu verwechseln. Aber innerhalb der Rahmenbedingungen eines konsistenten Investmentprozesses müssen größtmögliche Freiheit und Kreativität ihren Platz finden. Auch müssen die Portfolio Manager in einem Umfeld arbeiten, das ihnen Vertrauen entgegenbringt und den Rücken stärkt, gerade dann, wenn es schwieriger läuft und nicht jede Investmententscheidung kurzfristig aufgeht. Andernfalls werden sie dazu neigen, sich eng an ihrem Vergleichsindex zu orientieren und in Wahrheit passiv agieren, um vermeintlich auf der sicheren Seite zu stehen. Hier liegt ein ganz wesentlicher Grund dafür, warum viele aktive Portfolio Manager ihrem Vergleichsindex nach Kosten hinterherhinken. Ein Konsens-Portfolio bringt nur eine Konsens-Rendite, kein Alpha. Interessant: Studien belegen, dass es gerade spezialisierte Fonds-Boutiquen sind, denen dieser Spagat zwischen Freiheiten und notwendiger Kontrolle häufiger gelingt.

Für den Investor bedeutet das: Tiefer graben, denn wer sich bei der Fondsauswahl allein an Sternen und Rankings orientiert, kratzt nur an der Oberfläche. Dazu gehört eine glasklare Vorstellung darüber, wie genau der Fonds zum eigenen Portfolioerfolg beitragen soll. Dazu gehört, die Strategie des Fonds und seine Allokation sorgfältig mit dieser Vorstellung abzugleichen. Dazu gehört ein langfristig erfolgreicher Track Record des Management-Teams. Und dazu gehört nicht zuletzt eine Asset-Management-Firma, die es ihren Portfolio Managern ermöglicht, immer wieder neu Outperformance zu erzielen.

"Ein Investor, der diesem Prozess die notwendige Aufmerksamkeit widmet, hat gute Chancen, nach Ablauf eines Jahres seine eigene „Oscar-Night“ veranstalten zu können und seine Fondsmanager mit einem Award auszuzeichnen – sie würden sich bestimmt freuen."

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