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28.04.2026

Im Haushalt ist noch viel Luft

Die neue Ausgabe der Lupus alpha Kolumne leitwolfs view

Subventionen, Sozialsysteme und die staatliche Verwaltung kosten Milliarden. Statt immer neue Versprechen zu finanzieren, muss die Politik klare Prioritäten setzen und Kosten und Wirkung ihres Handelns ehrlich prüfen. Andernfalls steigen Schulden und Inflation ungebremst weiter. Am Ende drohen auch wieder Steuererhöhungen. 


von Alexander Raviol, Partner und CIO Derivative Solutions bei Lupus alpha 

Ich vertrete seit einiger Zeit die These, dass Investoren mit dauerhaft niedrigen Realzinsen rechnen müssen, weil der Inflationsdruck nachhaltig hoch bleiben wird. Ursächlich dafür ist unter anderem die (weltweit) unaufhaltsam steigende Staatsverschuldung. Man kann darüber streiten, wie steil diese Entwicklung verläuft. Nicht aber darüber, dass sie politisch befeuert wird – trotz aller Lippenbekenntnisse:

So zum Beispiel von Friedrich Merz am 5. Juli 2024: „Die Schuldenbremse, so wie sie im Grundgesetz angelegt ist, ist richtig.“ Oder von Lars Klingbeil am 25. März 2026: „Wir können nicht jede Krise und jedes Problem mit noch mehr Geld beantworten.“ Oder auch jüngst von Jens Spahn am 1. April 2026: „Wir können nicht alle Verwerfungen abfedern.“

Das Gegenteil passiert, wir erleben live den zuverlässigen Reflex für populistisches Krisenmanagement: Der Benzinpreis steigt infolge des Irankriegs, und sofort liegt wieder ein Tankrabatt auf dem Tisch – wie 2022 unter der Ampel-Koalition, nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine.

Das übergeordnete Problem dabei: Laut Bundesrechnungshof klafft im Bundeshaushalt trotz hoher Kreditaufnahmen bis 2029 eine Lücke von mehr als 170 Mrd. Euro, das sind rund 60 Mrd. Euro jährlich. Die Frage nach aktivistisch motivierten Entlastungen stellt sich also eigentlich nicht.  

Um Missverständnisse zu vermeiden: Jede Steuersenkung ist grundsätzlich gut. Je weniger Ressourcen der Staat umverteilt, desto mehr verbleibt bei denen, die sie produktiv einsetzen. Doch was wir hier erleben, ist eine situative Senkung der Benzinsteuer für zwei Monate. Zugleich wird die Tabaksteuer dauerhaft angehoben. „Begrüßt“ wird zudem ein „Energiekrisenbeitrag“ auf EU-Ebene (ehemals „Übergewinnsteuer“). Es handelt sich hier nicht um Entlastung, sondern um selektive, temporäre Eingriffe, die die Steuerlast umverteilen oder erhöhen statt sie dauerhaft zu senken. Solche Maßnahmen dienen in erster Linie dazu, die Wähler ruhigzustellen und ein unangenehmes Thema aus den Talkshows zu bekommen. Politisch weitsichtiges Handeln sieht anders aus.

Wie lässt sich die Haushaltslücke von rund 60 Milliarden Euro pro Jahr schließen?

Meine Befürchtung: durch Schulden, Steuern und Inflation. Mein Gegenvorschlag: Ausgaben senken.

Ich sehe drei Blöcke, die sich für Ausgabenkürzungen eignen: Subventionen, Sozialausgaben und Verwaltungskosten. 

  1. Subventionen: Konsequent zurückführen

    Der Subventionsbericht der Bundesregierung veranschlagt für das Jahr 2026 ein Volumen von 78 Mrd. Euro. Diese Zahl ist schon enorm. Hinzu kommt jedoch u.a., dass ein wachsender Teil der Verschuldung in Nebenhaushalte ausgelagert wird – insbesondere in die sogenannten „Sondervermögen“, die formal nicht Teil des Kernhaushalts sind und ökonomisch natürlich kein Vermögen, sondern nichts anderes als kreditfinanzierte Ausgaben darstellen. So belaufen sich die gesamtstaatlichen Subventionen laut dem kürzlich veröffentlichten Freiburger Subventionsbericht im Jahr 2026 auf unglaubliche 321,3 Mrd. Euro! 

    In dieser Größenordnung sind Subventionen kein Randthema mehr, sondern ein strukturelles Problem. Sie lenken Kapital in politisch gewünschte Verwendungen, verzerren Preise und verhindern die notwendige Anpassung an wirtschaftliche Realitäten. Was als Unterstützung gedacht ist, wird zum Hemmnis für Wachstum und Innovation. Daraus folgt: Subventionen müssen konsequent und in großem Umfang zurückgeführt werden. Nicht punktuell, nicht kosmetisch, sondern strukturell. Der Staat sollte nicht entscheiden, welche Branchen oder Technologien sich durchsetzen, sondern die Rahmenbedingungen so setzen, dass sich effiziente Lösungen von selbst durchsetzen können. Weniger Subventionen bedeuten nicht nur Einsparungen, sondern auch eine besser funktionierende Marktwirtschaft.

  2. Sozialausgaben: Strukturell ändern statt flickschustern

    Eine Bestandsaufnahme des Ifo-Instituts hat im Oktober 2025 für die Bundesebene 502 verschiedene Sozialleistungen identifiziert. Allein die Sozialgesetzbücher umfassen laut Ifo 3.246 Paragrafen. Das ist kein Zufall, sondern Symptom eines sich selbst verstärkenden Systems, das auf immer neue Einzelfälle mit immer neuen Leistungen reagiert. 

    Wir reden hier über sehr große Summen. Im Bundeshaushalt 2026 ist der Etat des Arbeits‑ und Sozialministeriums mit Abstand der größte: rund 197,4 Mrd. Euro. Davon entfallen 127,8 Mrd. allein auf den Zuschuss zur Rentenversicherung. Die „Grundsicherung für Arbeitsuchende“ liegt bei 51 Mrd., die „Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung“ bei 12,3 Mrd. Allein diese Zahlen zeigen: Wer im Sozialsystem Spielräume sucht, muss es grundsätzlich neu denken. Ein Herumwerkeln an Einzelposten ist zum Scheitern verurteilt, wie jede Bundesregierung, auch die aktuelle, aufs Neue beweist. Es muss strukturell etwas passieren, nicht mit Flickschusterei im bestehenden System.

  3. Verwaltungsausgaben: Personalkosten abbauen

    Nimmt man den gesamten öffentlichen Dienst in Deutschland, gab es von 2014 bis 2024 ein Personalplus von 794.000 Beschäftigten, das sind mehr als 17 Prozent. Die gesamten Personalkosten beliefen sich gemäß statistischem Bundesamt im Jahr 2024 auf exorbitante 357,32 Mrd. Euro. In Zeiten des demografischen Wandels ist das eine doppelte Herausforderung: Es kostet Geld und bindet Arbeitskräfte.

    Hier könnten aus meiner Sicht deutliche Einsparungen vorgenommen werden. Zwei kleine Beispiele: Nutzen wir wenigstens die bereits rollende Pensionierungswelle. Nach einer Auswertung von McKinsey & Company verlassen bis 2030 über 1,5 Mio. Beschäftigte altersbedingt den öffentlichen Dienst. Mein Vorschlag: Frei werdende Stellen werden nicht mehr nachbesetzt. Hier liegt ein riesiges Potenzial für effizientere Prozesse durch konsequente Digitalisierung und Reduzierung öffentlicher Aufgaben. Oder nehmen wir die äußerst ineffizient arbeitende Bundesagentur für Arbeit: Ihre Abschaffung würde sich auf 10,9 Mrd. Euro eingesparte Personalkosten summieren – wenigstens langfristig. Für mich wären das Beispiele für einen Akkord „weniger Staat, weniger Steuern, mehr wirtschaftliche Dynamik“. 

Für Investoren gibt es eine Lösung

Der reflexhafte Griff zur nächsten Ausnahme, Subvention oder Förderung ist politisch bequem, fiskalisch aber ein Brandbeschleuniger. Der Staat muss endlich Prioritäten setzen, radikal sparen und insgesamt kleiner werden! Die Wahrscheinlichkeit, dass die Bundesregierung die notwendigen Ausgabenkürzungen vornimmt, ist allerdings gering. Ich habe es eingangs gesagt: Mir fehlt der Optimismus, dass an irgendeinem der genannten Punkte ernsthaft angesetzt wird. Also doch mehr Schulden, Steuern und höhere Inflation.

Und was heißt das Ganze für Anleger? Auch hier wiederhole ich mich: Das Agieren der Regierung(en) macht die Anlage in Aktien für Investoren unerlässlich, um positive reale Renditen erzielen zu können.

Wie weit würden Sie gehen bei der Sanierung der Staatsfinanzen? Ich freue mich über Ihre Einschätzungen unter leitwolfsview@lupusalpha.de

 

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