Nach Oben

Lupus alpha

25.08.2026

Ohne starken Kapitalmarkt zieht es Start-ups in die USA

Die neue Ausgabe der Lupus alpha Kolumne leitwolfs view

Europa hat ein veritables Skalierungsproblem: Wenn aus erfolgreichen Start-ups globale Champions werden sollen, stoßen sie auf Kapitalmärkte, die weniger tief, liquide und auf Wachstum ausgerichtet sind als zum Beispiel in den USA. Die erfolgreiche Umsetzung der Kapitalmarktunion entscheidet deshalb wesentlich darüber, ob Europa aus seinen Innovationen künftig selbst Weltmarktführer entwickeln kann – und ob neue Arbeitsplätze und wachsender Wohlstand am Ende hier entstehen.

Michael Frick, Managing Partner und CFO bei Lupus alpha

 

Europa kann Innovation finanzieren! Proxima Fusion zum Beispiel: Anfang Juli hat das Start-up im Bereich Fusionsenergie 411 Millionen Euro eingesammelt und seine Bewertung damit auf knapp 2,5 Milliarden Euro getrieben. Auch die deutschen Start-ups Isar Aerospace (Raumfahrt) und Quantum Systems (autonome Luftfahrtsysteme) konnten dreistellige Millionenbeträge einwerben. Noch größere Finanzierungsrunden gelangen Helsing (Verteidigung), Tubulis (Biotech), Mistral AI aus Frankreich (KI) und Wayve aus Großbritannien (autonomes Fahren), die Kapital in Milliardenhöhe anzogen.

Europa zeigt damit, dass es große Zukunftstechnologien hervorbringen und finanzieren kann. Allein Deutschland zählt in diesem Jahr 38 Einhörner – Platz fünf weltweit, hinter den USA, China, Großbritannien und Indien, wie das Hurun Research Institute ermittelt hat. Die gute Nachricht: Europa ist nicht darauf angewiesen, Kapital in den USA zu mobilisieren. Die schlechte lautet aber: Europa verliert meistens dann seine erfolgreichen Scale-ups, wenn diese richtig groß werden wollen.

Viel zu oft reicht der europäische Kapitalmarkt nicht aus für die nächsten Finanzierungsrunden, die internationale Expansion und einen späteren Börsengang. Wenn Europa für solche Wachstumsschritte keinen attraktiven Kapitalmarkt bietet, dann ist der Gang in die USA keine Frage mangelnder Loyalität, sondern schlichte unternehmerische Notwendigkeit.

Beispiele dafür gibt es genug: Der britische Halbleiterentwickler ARM (2023) und das Biotech-Unternehmen Immunocore (2021) gingen an die US-Technologiebörse Nasdaq, ebenso wie BioNTech (2019) und Linde (2023). Spotify (2018) wählte die New York Stock Exchange. In den vergangenen zehn Jahren sind 130 europäische Unternehmen mit einem Gesamtwert von 676 Milliarden US-Dollar an den amerikanischen Aktienmarkt gewechselt, zählt der Londoner Kapitalmarkt-Thinktank New Financial.

J.P. Morgan-Manager Doug Petno brachte es jüngst im „Handelsblatt“ auf den Punkt: „Es gibt hier brillante Gründer und Firmen mit spannenden Geschäftsmodellen. Aber wenn man die Region mit dem Silicon Valley vergleicht, sieht man auch, was noch fehlt: In den USA ist der Kapitalmarkt deutlich tiefer und auch stärker bereit, künftiges Wertschöpfungspotenzial von Unternehmen einzupreisen.“

Genau deshalb braucht Europa endlich die Kapitalmarktunion! Denn europäische Scale-ups müssen mit europäischem Kapital finanziert werden können.

Der europäische Finanzmarkt braucht einheitliche Regeln für grenzüberschreitende Investitionen sowie eine effiziente Marktinfrastruktur. Dazu gehören bessere Exit-Möglichkeiten für Investoren durch einfachere Börsengänge sowie attraktivere Börsensegmente für Wachstumsunternehmen. Für Investoren unverzichtbar sind zudem ein einheitliches Insolvenzrecht und eine Aufsicht, die den europäischen Kapitalmarkt endlich zu einem echten Binnenmarkt macht. Viele dieser Vorschläge liegen seit Jahren auf dem Tisch. Gescheitert sind sie bislang vor allem am Widerstand der Mitgliedstaaten, nationale Zuständigkeiten zugunsten eines echten europäischen Binnenmarkts aufzugeben.

Der mögliche Gewinn eines echten europäischen Kapitalmarkts ist enorm. Modellrechnungen der Europäischen Zentralbank kommen zu dem Ergebnis, dass eine konsequent vollendete Kapitalmarktunion europaweit rund 4.800 zusätzliche Unternehmen hervorbringen und bis zu 535 Milliarden Euro zusätzliche private Finanzierung pro Jahr mobilisieren könnte. Die Kapitalmarktunion ist weit mehr als ein Finanzmarktprojekt. Sie ist effektive Wachstumspolitik für Europa.

Mit diesem europäischen Projekt jetzt nicht entscheidend voranzukommen, wäre ein fatales politisches Versäumnis. Die jüngste Entwicklung stimmt immerhin hoffnungsvoll:

Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, die Niederlande und Polen („E6“) wollen die Kapitalmarktunion beschleunigen. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat das Ziel ausgegeben, noch 2026 ein Gesetzespaket durch Rat und Parlament zu bringen. Doch die Zeit drängt. 2027 stehen in vielen EU-Staaten Wahlen an. Zahlreiche Regierungen dürften dann wieder stärker mit sich selbst beschäftigt sein.

Deshalb lautet die eigentliche Botschaft der Erfolgsgeschichte von Unternehmen wie Proxima Fusion: Vollendet endlich die Kapitalmarktunion!

 

Hat Europa die Kraft für einen großen Schritt Richtung Kapitalmarktunion?

Ich freue mich über Ihre Anregungen unter leitwolfsview@lupusalpha.de.

Weitere Informationen
Allgemeine Fragen oder Anregungen:
Annett Haubold
PR-Managerin, Communications
+49 69 / 36 50 58 - 7403
PRESSE
Carsten Michael
PR-Manager, Communications
+49 69 / 36 50 58 - 7402
ZUM PRESSEBEREICH