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27.10.2026

Rüstungsaktien sind in der Normalität angekommen. Gut so!

Die neue Ausgabe der Lupus alpha Kolumne leitwolfs view

Angesichts der enttäuschenden Entwicklung des Verteidigungssektors in diesem Jahr stellen sich viele Anleger die Frage, ob man überhaupt noch in Rüstungsaktien investieren sollte. Der politische Rückenwind für die europäische Verteidigungsfähigkeit und die langfristigen Investitionsprogramme sprechen eindeutig weiterhin für die Branche. Anleger sollten nur genau hinschauen, welche Unternehmen wirklich fundamental interessant sind.

von Dr. Götz Albert, Managing Partner und CIO von Lupus alpha

Ich kann mich noch gut erinnern, als der erste Rüstungs-ETF aufgelegt wurde. Das war im April 2023, gut ein Jahr, nachdem Russland die Ukraine überfallen hatte. Eine „Zeitenwende“, wie es Ex-Kanzler Olaf Scholz damals formulierte. Im Frühjahr 2025 stellte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die europäische Aufrüstungsinitiative „ReArm Europe" vor. Und die NATO-Mitgliedstaaten entschieden, die verteidigungs- und sicherheitsrelevanten Ausgaben langfristig deutlich auszuweiten. Die ETF-Auflegung war vor diesem Hintergrund eine Punktlandung – und lange Zeit ein großer Erfolg, gemessen an der Kursentwicklung und am Anlagevolumen. Viele weitere passive und aktive Rüstungsfonds folgten. Neulich las ich in einer Analyse von Scope Fund Analysis, dass in Deutschland mittlerweile 27 Rüstungs-ETFs und -fonds angeboten werden.

Kurskorrekturen im Rüstungssektor

Allerdings kam es bei Rüstungs-ETFs in diesem Jahr zu deutlichen Verlusten. Wirklich überraschend ist das angesichts der Kursentwicklung bekannter Rüstungsunternehmen nicht. Rheinmetall und Renk waren dieses Jahr bisher Verlustbringer. Auch die neu an der Börse notierten Rüstungsunternehmen haben Anlegern bislang wenig Freude bereitet, siehe Vincorion, SMAG Mobile Antenna und Gabler Group. Der deutsch-französische Leopard 2-Panzerbauer KNDS hat seinen für Mitte 2026 geplanten Börsengang in Frankfurt und Paris sogar erst einmal abgeblasen.

Nach dem Hype der Jahre 2022 bis 2025 mit sehr hohen Zuflüssen in die Branche – auch aus dem Ausland – scheint also jetzt die Luft raus zu sein. Nun höre ich in meinem Umfeld immer öfter die Frage: Soll man überhaupt noch in Rüstungsaktien investieren?

„Mit immer weniger US-Unterstützung Schutz vor Russland organisieren“

Eins vorab: Niemand muss in Rüstung investieren. Jede(r) muss das für sich selbst entscheiden. Für uns bei Lupus alpha gilt: Fonds oder Mandate, in denen Rüstungsaktien über Ausschlusskriterien ausgeschlossen sind, dürfen diese ohnehin nicht erwerben. Ebenso wenig unsere eigenen nachhaltig ausgerichteten Publikumsfonds. Rüstungsaktien können allerdings sehr wohl Bestandteil von Fonds sein, in denen sie nicht ausgeschlossen sind, etwa in unseren klassischen Small & Mid Cap-Fonds.

Das hat meiner festen Überzeugung nach auch seine Berechtigung. Der globale Rahmen, in dem Deutschland und Europa jahrzehntelang sehr erfolgreich operiert haben, existiert nicht mehr, wie es die Sicherheitsexpertin Dr. Claudia Major im vergangenen Sommer auf einer Lupus alpha Veranstaltung deutlich formuliert hat: „Die Sicherheitsordnung, der Freihandel und auch die internationalen Institutionen und Regeln sind außer Kraft. Wir müssen mit immer weniger Unterstützung der USA Schutz vor Russland organisieren“, sagte sie.

Militärausgaben der EU: plus 75 Prozent seit 2021

Auch wenn es erschreckend ist: Es ist nicht unwahrscheinlich, dass 2022 wieder eine von Kriegen geprägte Zeit angebrochen ist, und seien es „nur“ hybride Kriege. Das sehen wir schon jetzt. Sprengstoffanschlag durch Drohnen am Flughafen Leipzig, Spionagedrohnen über deutschen Bundeswehrkasernen, gezielte Hackerangriffe auf Regierungsstrukturen wie den Deutschen Bundestag – es wäre naiv, davor die Augen zu verschließen. Zudem steht der verheerende Krieg in der Ukraine im Jahr fünf noch immer vor keiner Lösung. Und mit dem USA-Iran-Krieg ist dieses Jahr ein weiterer militärischer Konflikt dazugekommen, für den kein Ende absehbar ist. 

Die Verteidigungsausgaben sind vor diesem Hintergrund enorm gestiegen. 2026 fließen in Deutschland 109 Milliarden Euro in die Verteidigung, aus regulärem Etat und Sondervermögen. Für 2027 sind 140 Milliarden Euro geplant. Die Ausgaben der EU-Mitgliedstaaten sollen laut EU-Zahlen 2026 auf 454 Milliarden Euro steigen – gegenüber 2021 wäre das ein Plus von 75 Prozent.

Rüstungsunternehmen sorgfältig prüfen – wie alle anderen auch

All das bietet Chancen aus Investmentsicht. Von spezialisierten Branchenfonds halten wir aber nicht viel. Denn die bergen enorme Klumpenrisiken. Konzentrieren sie sich beispielsweise auf europäische Rüstungsaktien, setzen sie oft schwerpunktmäßig auf Rheinmetall aus Deutschland und Thales aus Frankreich, wie Scope in der erwähnten Analyse feststellt. Verlieren diese, wie Rheinmetall dieses Jahr, sieht es düster aus.

Wir haben einen anderen Ansatz: Wir berücksichtigen Rüstungsunternehmen im Anlageuniversum für unsere breit diversifizierten Fonds und beurteilen sie wie jedes andere Industrieunternehmen auch. Sie unterliegen ebenfalls fundamentalen Kriterien in der Bewertung der Bilanz, der Gewinn- und Verlustrechnung und der Einschätzung des Geschäftsmodells. Überzeugen sie uns, nehmen wir sie in unsere Fonds auf. Eine Besonderheit gibt es jedoch: Die Zyklen der Verteidigungsbranche weichen vom allgemeinen Konjunkturzyklus ab, denn Nachfrager sind ja in der Regel Staaten. Und die forcieren mal die Verteidigungsausgaben (wie aktuell), mal fahren sie sie zurück (wie hierzulande in der Nachwendezeit). Diese spezielle Nachfragesituation spielt also eine Rolle, daneben aber auch ganz normale Faktoren wie der Auftragsbestand, das Management, die Innovationsfähigkeit, die Qualität der Produkte etc.

Aufrüstungstrend breiter im Portfolio abbilden

Ein weiterer wichtiger Punkt: Wir schauen nicht nur auf die einschlägigen Rüstungsunternehmen wie Rheinmetall, Hensoldt, Renk oder MTU Aero Engines, ebenso nicht nur auf neue Rüstungs-Start-ups. Wir suchen auch nach Unternehmen, die mittelbar vom Ausbau der Verteidigungsfähigkeit profitieren und auch auf anderen Gebieten aktiv sind. Gerade die hybride Bedrohung bedeutet: Es geht nicht nur um Panzer und Stahl, sondern auch um Satellitenkommunikation, Robotik, Elektronik und Optoelektronik, autonome Systeme und Drohnen, um Cyber-Security oder Spezialchemie. Kurz gesagt: Interessant ist nicht Rheinmetall, sondern die Zuliefererliste von Rheinmetall. Das spricht für eine sorgfältige Selektion und die Anlage in breit aufgestellte Fonds statt in einseitig konzentrierte Branchenfonds.

Die zentrale Frage für die kommenden Jahre lautet also weniger, ob die Verteidigungsausgaben steigen werden. Vieles spricht dafür. Die politische Einsicht in die Notwendigkeit einer europäischen Verteidigungsfähigkeit und die langfristigen Investitionsprogramme sorgen für strukturellen Rückenwind. Die entscheidende Frage ist vielmehr, welche Unternehmen den größten Anteil dieser Investitionen auf sich vereinen können und wer noch fair bewertet ist. Und das nach Maßstäben, die auch für alle anderen Unternehmen relevant sind.

Was ist Ihre Meinung zur Anlage in Rüstungsaktien?
Ich freue mich über Ihre Anregungen unter leitwolfsview@lupusalpha.de

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PR-Managerin, Communications
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