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29.09.2026

Und sie gelten immer noch: 10 Grundsätze für eine gute Kapitalanlage

Die neue Ausgabe der Lupus alpha Kolumne leitwolfs view

In den vergangenen Jahren mussten wir uns von so einigen Gewissheiten verabschieden. Die USA stehen nicht mehr uneingeschränkt an unserer Seite, Frieden in Europa ist heute alles andere als selbstverständlich, Deutschland ist längst kein Vorbild mehr für Wachstum und moderne Infrastruktur. Auch an den Kapitalmärkten haben sich die Spielregeln durch Megatrends wie KI und passive Geldströme verändert. Da ist es eine gute Nachricht, dass die alten Grundsätze für eine erfolgreiche Kapitalanlage unverändert gelten - oder jetzt erst recht!

von Ralf Lochmüller, Managing Partner und CEO bei Lupus alpha 

Wenn ich in meinem Familien- und Freundeskreis zum Thema Kapitalanlage befragt werde, beobachte ich oft zwei Reaktionen. Die einen halten Kapitalanlage für enorm komplex, zeitaufwendig und vor allem risikoreich und nähern sich dem Thema eher vorsichtig. Die anderen, die schon länger am Kapitalmarkt unterwegs sind, sind oft nah am Marktgeschehen und verfolgen die Entwicklung ihrer Anlagen sehr genau. Bei ihnen beobachte ich eher die so genannte "FOMO", die Angst, einen wichtigen Trend oder Zeitpunkt an der Börse zu verpassen.

Die Gespräche zeigen mir immer wieder, wie viel Fehlinformation durch Überinformation, neudeutsch "Noise", in unseren täglichen Nachrichten steckt. Diese Flut von Schlagzeilen, Meinungen und Prognosen stiftet oft mehr Verwirrung als Klarheit. In herausfordernden Zeiten wie diesen ist es daher umso wichtiger, sich bei dem sensiblen Thema Kapitalanlage altbewährte Grundsätze vor Augen zu führen.

Hier sind meine Top Ten für eine gute Kapitalanlage:

1. Breit streuen

Diversifikation ist und bleibt die Basis für einen gut strukturierten Vermögensaufbau. Die Krisen der vergangenen Jahre mit parallelen Kurseinbrüchen haben gezeigt, dass eine Diversifikation aus Aktien und Anleihen zu wenig ist. Was es braucht, ist eine breite Streuung über verschiedene Anlageklassen, Länder und Stile hinweg - um ein Portfolio wetterfest zu machen und rendite-risiko-optimiert Vermögen aufzubauen.

2. Aktien bevorzugen

Wer noch Vermögen aufbaut und einen langen Anlagehorizont hat, sollte einen klaren Fokus auf Aktien legen. Aber auch wenn bereits ein kleines Vermögen besteht, sollte man renditestärkere Anlageklassen wie Aktien bevorzugen. Wem die unvermeidlichen Kursschwankungen von Aktien nicht behagen, zum Beispiel weil er oder sie kurz vor der Rente steht, kann dann in risikoärmere Anlagen umschichten.

3. Antizyklisch investieren

Alle reden darüber, kaum jemand tut es. Klar, antizyklisches Investieren fühlt sich nie gut an. Dabei folgt Rebalancing, wie es etwa Star-Investor Robert Wallace für das Stiftungsvermögen der Stanford University anwendet, ganz einfachen, klaren Regeln: Eine einmal strategisch festgelegte Vermögensverteilung wird regelmäßig, zum Beispiel am Jahresanfang, wiederhergestellt. Dieses Rebalancing sorgt dafür, dass man schwache Marktphasen bewusst für Nachkäufe nutzt und seine Rendite verstetigt.

4. Zinseszinseffekt nutzen

Die Vorteile des Zinseszinseffekts werden für den Vermögensaufbau immer wieder dramatisch unterschätzt. In Bewerbungsgesprächen stelle ich oft die Frage: „Was wird aus 100.000 Euro, wenn man sie 40 Jahre lang zu 7 % pro Jahr anlegt?“ Kaum jemand kommt auf die richtige Antwort. Hier ist sie: Bei 7 % Rendite verdoppelt sich das Kapital alle 10 Jahre. Aus 100.000 Euro werden nach 10 Jahren also 200.000 Euro, nach weiteren 10 Jahren 400.000 Euro usw. Nach 40 Jahren sind es dann beeindruckende 1,6 Millionen Euro!

5. Klumpenrisiken vermeiden

Wenn man in einen ETF auf den S&P-500-Index kauft, erwirbt man Anteile an den 500 führenden US-Unternehmen - theoretisch. Praktisch bestimmen jedoch die Magnificent Seven - Apple, Microsoft, Nvidia, Alphabet, Amazon, Meta und Tesla - den Index, mit einem Gewicht von inzwischen rund 35 %! Kommt es bei KI-Aktien zu Korrekturen – wie jüngst etwa durch Sorgen um die Rentabilität von Rechenzentren ausgelöst – stürzt der gesamte S&P 500 mit ab. Um solche Klumpenrisiken zu vermeiden, muss man auch bei marktbreiten Anlagen genau hinsehen.

6. Kein Market Timing betreiben

Auch erfahrene Investoren stellen sich angesichts hoher Bewertungen immer wieder die Frage, wann der nächste heftige Markteinbruch kommt. Einen Crash kann man jedoch nicht timen, ebenso wenig wie die Börse überhaupt. Wer nicht investiert ist oder sich übermäßig absichert, lässt die meiste Zeit Rendite liegen. Wir haben für 2025 beispielhaft nachgerechnet: Die DAX-Rendite betrug inkl. der besten zehn Tage: 23,01 %. Und ohne: minus 6,09 %. Daher gilt: "Time in the Market" ist besser als "Timing the Market."

7. Finger weg von Themenfonds

Megatrends wie KI, die unsere Ökonomien nachhaltig verändern, sollten auch im Portfolio abgebildet werden. Allerdings sollte man sich dabei breiter aufstellen als mit Themenfonds, da diese meist zu einseitig ausgerichtet sind. Oft liegen die größten Chancen bei Unternehmen, die mittelbar von einem Boom profitieren. Beim Thema KI zum Beispiel bei Software-Firmen, die kürzlich noch als "KI-Opfer" bezeichnet wurden, oder bei Firmen, die helfen, mehr Strom und Energie bereitzustellen. Diese lassen sich mit einem gut diversifizierten All Cap-Fonds sinnvoller abdecken.

8. Auf die Nachkostenrendite achten

In der aktuellen Altersvorsorgediskussion wird gern von ETFs gesprochen, wenn man eigentlich Kapitalanlage meint. Nicht nur diese Gleichsetzung hat sich verfestigt, sondern auch die Annahme, dass ETFs günstiger sind als Fonds. Das stimmt zwar für passive ETFs auf breite Indizes, für Nischenmärkte oder aktive ETFs aber nur bedingt. Aktive ETFs können mitunter sogar teurer sein als Fonds. Daher gilt: Nicht die Hülle macht den Unterschied, sondern die Entscheidung, welche Märkte man besetzen will. Und gemessen wird am Ende nicht der Index, sondern die Rendite nach Kosten.

9. Aktiv und passiv investieren

Aktiv oder passiv? Eine ewige Diskussion. Dabei haben beide Konzepte ihre Berechtigung. Man muss sie nur an der richtigen Stelle einsetzen. ETFs funktionieren am besten in großen, liquiden Märkten wie etwa dem MSCI World oder Euro Stoxx 50, in denen die Preisbildung sehr effizient ist. Für aktive Manager ist es schwer, in diesem Umfeld nachhaltig besser als der Markt abzuschneiden. Anders sieht es bei kleineren, spezialisierten Börsensegmenten wie Small & Mid Caps oder Emerging Markets aus. Diese Nischen sollten Anleger aktiv abdecken, da es hier noch echte Alpha-Chancen gibt.

10. An der Strategie festhalten

Zurück zum "Noise". Egal ob privater oder institutioneller Investor - in Krisenzeiten stellt sich jeder irgendwann die Frage: Stimmt meine Anlagestrategie noch? Statt in hektischen Aktionismus zu verfallen, täte da ein Nachrichten-Detox gut. Wichtig ist, den klassischen Doppelfehler zu vermeiden: Erst zu spät ausgestiegen, dann zu spät wieder eingestiegen. Im Tennis kostet ein Doppelfehler einen Punkt, in der Geldanlage im Zweifel aber viel Rendite. Deshalb gilt für einen langfristigen Vermögensaufbau: Nicht beirren lassen. Stick to the plan.

Meistens reagieren meine Gesprächspartner überrascht, wenn sie diese Prinzipien für eine gute Geldanlage hören. „Wie einfach“, sagen die einen. „Wie langweilig“, die anderen. Ich sage: Umso besser! Gerade in Zeiten politischer und wirtschaftlicher Umbrüche tut unspektakuläre Beständigkeit gut. Wer sich auf das altbewährte Fundament klarer Regeln verlässt, tauscht kurzfristige Aufregung gegen langfristigen Erfolg.

Ich wünsche Ihnen stets die nötige Ruhe und natürlich das erforderliche Quäntchen Glück für Ihre Kapitalanlage!

Was sind Ihre Do´s und Dont´s bei der Kapitalanlage?
Ich freue mich über Ihre Anregungen unter leitwolfsview@lupusalpha.de

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