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Lupus alpha

27.05.2026

Unsere Unternehmen können es. Man muss sie nur machen lassen!

Die neue Ausgabe der Lupus alpha Kolumne leitwolfs view

Statt alles schlecht zu reden und immer düsterere Bilder von der deutschen Wirtschaft zu zeichnen, sollten wir uns auf die Bereiche konzentrieren, die gut laufen und Zukunftspotenzial haben. Und davon gibt es in Deutschland eine ganze Menge, wie viele unserer Start-ups und innovativen Mittelständler vormachen. Die Unternehmen brauchen dafür nur Freiräume und besseren Zugang zu Wachstumskapital.

Björn Glück, Partner und Portfolio Manager Small & Mid Caps Europa

Ich bin von Grund auf optimistisch und lasse mich von negativer Stimmung eigentlich nicht anstecken. Aber im Moment kommt wirklich alles zusammen: Wir kämpfen mit Schulden und maroden Strukturen, sind mit Inflation, Rezessionsgefahr und hohen Energiepreisen konfrontiert. In unseren Traditionsindustrien haben uns die Chinesen längst den Rang abgelaufen und unser Bündnis mit den USA bröckelt. Von der Reform- und Führungsschwäche unserer Regierung mal ganz abgesehen.

In dieser Gemengelage können Mut und Zuversicht schon mal verfliegen und sich Abstiegsszenarien aufdrängen. Solche Gedanken lähmen jedoch, statt zu motivieren. Sie lassen eine Entwicklung als zwangsläufig erscheinen, die es so nicht ist. Aber die Frage darf schon mal erlaubt sein:

Woran liegt es, dass Deutschland nicht aus seiner Krisenstimmung herauskommt?

Nur geopolitische oder konjunkturelle Gründe anzuführen, wäre zu einfach. Unsere Probleme sind zum großen Teil hausgemacht:

Unsere Gesellschaft ist zum Beispiel zu risikoavers. Wir sind Weltmeister im Regulieren, im (Über-) Erfüllen von EU-Vorgaben (das Lieferkettengesetz lässt grüßen!) und im Debattieren des kleinsten gemeinsamen Nenners. Wir sind so damit beschäftigt, Risiken abzusichern und Fehler zu vermeiden, dass wir die Chancen in einer disruptiven Entwicklung oder Krise gar nicht sehen.

Und die Politik fördert diese Haltung auch noch, indem sie für jedes Problem eine Lösung, genauer gesagt die passende Förderung hat. Gerade war es wieder der Tankrabatt oder die – Gott sei Dank gestoppte Entlastungsprämie. Klar, in einer Krise ist es enorm beruhigend, dass irgendwann der Staat einschreitet und Hilfen verteilt. Was dabei aber auch passiert: Wir geben die Lösung des Problems ab und damit auch die Verantwortung und den Antrieb, uns selbstständig aus einer Krise herauszuarbeiten.

Innovativen Mittelstand zum Vorbild nehmen

Dass es trotz allem auch anders geht, zeigen mir die täglichen Gespräche mit Unternehmen aus meinem Anlageuniversum. Viele der deutschen Small & Mid Caps haben bewiesen, dass sie in der Lage sind, Krisen in Chancen zu verwandeln. Weil sie investieren, wenn andere sich zurückziehen, weil sie neue Geschäftsmodelle sehen, wo andere nur Risiken erkennen und weil sie sich vor allem schnell und flexibel an geänderte Rahmenbedingungen anpassen. Wie lässt sich diese Haltung auf den Rest unserer Republik übertragen?

Zugegeben, nicht alle Sektoren profitieren. In Deutschland findet gerade ein tiefgreifender Strukturwandel statt, der sich auch an der Börse widerspiegelt. Unternehmen aus dem Automobil- und Chemiesektor werden in den Indizes zum Beispiel zunehmend von Unternehmen aus dem Halbleiter-Segment abgelöst. Firmen wie Aixtron, Jenoptik oder SUSS Micro Tech haben es verstanden, sich erfolgreich in diesem Markt zu positionieren und profitieren von der KI-getriebenen hohen Nachfrage nach Chips. Aber auch klassische Industrieunternehmen wie Deutz und Knorr-Bremse wirtschaften in der aktuellen Krise sehr erfolgreich, indem sie auf potenzialstarke Absatzmärkte wie die USA setzen, oder weil sie, wie der Großküchenhersteller Rational, Weltmarktführer in ihrem Segment sind. Nicht zu vergessen der Energie-Sektor, in dem Unternehmen wie Nordex, SMA Solar oder 2G Energy sehr gut positioniert sind und von dem weltweit stark steigenden Energiehunger Stichwort Data Center profitieren.

Ideen und Kapital zusammenbringen

Aber auch bei den Start-ups in Deutschland tut sich etwas: Trotz Krise wurden im vergangenen Jahr knapp 30 Prozent mehr Start-ups gegründet als 2024 insgesamt 3.564 Tech-Unternehmen. Vielversprechende Gründungen gibt es zum Beispiel in den Bereichen Defense Tech, Space Tech, Fusionsenergie oder Humanoide Roboter. Unternehmen wie Helsing, Isar Aerospace, Proxima Fusion oder Neura Robotics haben das Zeug dazu, die SDAX- bzw. MDAX-Konzerne von morgen zu werden. Wir müssen ihnen allerdings das richtige Wachstumsumfeld geben - sonst wandern sie ab und feiern ihre Erfolge anderswo.

Wichtigste Voraussetzung dafür: Ausreichend Wachstumskapital. Die USA investieren 520 Euro pro Kopf in Venture Capital, Frankreich 108 Euro, wir nur 90 Euro. Das ist viel zu wenig! Dabei wäre genug Geld da: Unsere Versicherer verwalten 2 Billionen Euro, Pensionskassen noch einmal rund 700 Mrd. Euro und jedes Jahr werden 300 Mrd. Euro neu angelegt. Diese Summen werden durch den Trend zur kapitalgedeckten Altersvorsorge in Deutschland in den nächsten Jahren noch deutlich steigen. Dieses Kapital sollte in Bereiche investiert werden, die Zukunftspotenzial haben und Deutschland nach vorn bringen!

Ein Lichtblick zeigt sich aktuell: Gemäß einer aktuellen Studie der KfW haben Start-ups in Deutschland im ersten Quartal 1,7 Mrd. Euro eingesammelt, sechs Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. 58 Prozent davon flossen in KI-Anwendungen, vergangenes Jahr waren es nur 43 Prozent. Das Geld ist da, Ideen auch. Man muss die beiden nur zusammenführen.

Bürokratieabbau – jetzt!

Das zentrale Problem für alle Unternehmen in Deutschland ist und bleibt jedoch die überbordende Bürokratie. Die Genehmigungsprozesse sind einfach zu lang. Die aktuelle Regierung hat in ihrer Modernisierungsagenda viel versprochen und muss jetzt dringend liefern! Gemäß Koalitionsvertrag sollen die Bürokratiekosten für die Wirtschaft um 25 Prozent (rund 16 Mrd. Euro) reduziert und der Erfüllungsaufwand für Unternehmen, BürgerInnen und Verwaltung um mindestens 10 Mrd. Euro gesenkt werden. Hier sei mir die Bemerkung erlaubt, dass allein der Bürokratieabbau ein riesiges Konjunkturprogramm für Deutschland wäre, das noch nicht einmal etwas kostet!

Die beschriebenen Probleme sind vielfach diskutiert und die Maßnahmenpakete liegen auf dem Tisch. Da kann es doch nicht so schwierig sein, diese Hürden zu beseitigen? Unter dem Druck der Corona-Pandemie haben wir auch in kürzester Zeit Impfstoffe genehmigt und Prozesse digitalisiert, was wir vorher für absolut unmöglich gehalten haben. Warum sollte uns die schnelle Umsetzung grundlegender Maßnahmen nicht auch in einer wirtschaftlichen Krise wie dieser gelingen?

Nehmen wir uns ein Beispiel an unseren erfolgreichen Start-ups und Mittelständlern, die einfach machen, und kommen endlich aus der Lethargie und Kleindenkerei heraus! Wir haben in Deutschland die Ideen, die Talente und die Mittel dazu, erfolgreich Innovationen und nachhaltigen Wohlstand zu schaffen. Wir brauchen nur wieder den Willen und den Mut dazu!

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Was ist aus Ihrer Sicht nötig, damit Deutschland aus der Krise herausfindet?

Ich freue mich über Ihre Anregungen unter leitwolfsview@lupusalpha.de

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Annett Haubold
PR-Managerin, Communications
+49 69 / 36 50 58 - 7403
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