Herr Britsch, seit Auflage im Jahr 2012 hat der Lupus alpha Dividend Champions etwas mehr als 10% p.a. Rendite erwirtschaftet. Nach einer kurzen Schwächephase haben Sie den Fonds übernommen und in den letzten 18 Monaten hervorragende Performance geliefert. Was haben Sie verändert?
Zunächst habe ich analysiert, aus welcher Marktphase wir kommen und wie sich die Rahmenbedingungen verändert haben. Bevor man Anpassungen im Portfolio oder im Prozess vornimmt, muss man verstehen, warum frühere Ansätze nicht mehr im gleichen Maß funktionieren. Die Märkte sind heute deutlich dynamischer und stärker vom Sentiment getrieben. Klassische Bewertungsmaßstäbe, die früher bei der Bodenbildung geholfen haben, greifen nicht mehr. Hinzu kommt ein schnellerer Wechsel von Trends, Faktoren und Investmentstilen.

Um auf diese Veränderungen zu reagieren, haben wir das Fondskonzept weiterentwickelt. Der Ansatz ist heute flexibler, dynamischer und darauf ausgelegt, schneller auf Marktveränderungen zu reagieren. Geopolitische und makroökonomische Entwicklungen fließen deutlich stärker in den Investmentprozess ein, und wir denken thematischer als früher. Zudem schließen wir keine Sektoren mehr grundsätzlich aus.
Unser Fokus liegt weiterhin auf Small & Mid Caps, wir mischen aber vereinzelt auch Large Caps bei, um Chancen nicht ungenutzt zu lassen. Die Dividende bleibt für die Strategie ein wichtiges Auswahlkriterium, aber wir interpretieren diese nicht mehr so dogmatisch wie früher. Zusammengefasst: Wir verstehen uns heute als ein Schnellboot. Wir erkennen Veränderungen im Markt schnell, reagieren flexibel darauf und nutzen Chancen offensiv.
Wenn Sie auf die starke Performance seit Anfang 2025 zurückblicken: Was waren die wichtigsten Renditetreiber und können Sie dafür konkrete Beispiele nennen?
Im vergangenen Jahr gehörten der Bau- und Infrastrukturbereich zu den wichtigsten Performancetreibern. Wir haben hier stark thematisch investiert, insbesondere in den Trends rund um Rechenzentren und künstliche Intelligenz. Investiert haben wir entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Beispiele sind Hochtief, das mit seiner Tochter Turner eine starke Position beim Bau von Rechen- und Datenzentren in den USA hat, sowie das schwedische Unternehmen Munters, das Kühllösungen für Datencenter anbietet.

Ein weiterer Sektor mit starkem Beitrag waren Banken, insbesondere in Südeuropa. Diese Positionierung war eng mit unserem geo- und makropolitischen Ansatz verknüpft. Die EU-Fördergelder, die in diese Länder geflossen sind, haben dort das Wachstum gestützt und zu einer höheren Kreditnachfrage beigetragen – bei zugleich soliden Bankbilanzen. Davon konnten wir profitieren. Hinzu kamen österreichische Banken mit starkem Osteuropa-Geschäft, da auch diese Regionen 2025 ein robustes Wirtschaftswachstum gezeigt haben.
Wichtige Beiträge kamen außerdem aus dem deutschen Rüstungs- und Infrastrukturthema, das durch das angekündigte Investitionsprogramm der Bundesregierung zusätzlichen Rückenwind erhalten hat. Hier waren wir unter anderem in klassischen Rüstungsunternehmen wie Rheinmetall und Renk investiert. Den Infrastrukturteil haben wir über Unternehmen wie Strabag mit ihrem hohen Deutschlandgeschäft sowie Knorr-Bremse mit ihrem starken Bahnbezug abgebildet.
Im laufenden Jahr kamen die stärksten Wertbeiträge bislang aus dem Versorgersektor, erneut aus Bau und Infrastruktur sowie aus dem Chemiebereich. Gerade im Chemiesektor hat sich unser flexiblerer Ansatz ausgezahlt: Wir konnten Marktverwerfungen infolge geopolitischer Ereignisse kurzfristig nutzen und in ausgewählte Unternehmen investieren. Ein Beispiel dafür ist Lanxess, wo wir innerhalb kurzer Zeit deutliche Kursgewinne realisieren konnten.
Geopolitische Entwicklungen und Konjunktursorgen prägen derzeit die Märkte. Wie übersetzen Sie diese Rahmenbedingungen in Ihre Portfolio-Positionierung? Und wo sehen Sie auf Sicht von zwölf bis 24 Monaten die größten Chancen und Risiken?
Geopolitische Unsicherheiten spielen derzeit eine zentrale Rolle. Die zum Teil erratischen Entwicklungen auf globaler politischer Ebene machen selbst Prognosen über wenige Wochen schwierig. Vor diesem Hintergrund habe ich das Übergewicht in Deutschland zuletzt reduziert, insbesondere bei möglichen Gewinnern des Infrastrukturprogramms. Ich sehe bei der Umsetzung gewisse Risiken: Vergabeverfahren dauern länger als erwartet, und der finanzielle Impuls könnte geringer ausfallen, als ursprünglich erhofft.
Gleichzeitig habe ich – auch vor dem Hintergrund des Kriegs im Iran – den Versorgersektor deutlich höher gewichtet, weil das Thema Energiesicherheit wieder stärker in den Fokus gerückt ist. Innerhalb des Sektors liegt ein besonderes Augenmerk auf Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien.
Ebenfalls übergewichtet war und ist der Halbleiterbereich, getrieben von der anhaltend hohen Nachfrage nach Rechenzentren und Anwendungen im Bereich künstliche Intelligenz. Dort haben wir bereits erste Gewinne mitgenommen und das Übergewicht wieder etwas reduziert.
Ein Thema, das zuletzt weniger Aufmerksamkeit erhalten hat, aus unserer Sicht aber wieder an Bedeutung gewinnen dürfte, sind Seltene Erden. Die strukturellen Versorgungsengpässe bestehen weiterhin, und entsprechend sehen wir hier nach wie vor attraktive Chancen.

Auf Länderebene haben wir aus geopolitischer Sicht derzeit ein Untergewicht in Großbritannien. Ausschlaggebend sind die politische Unsicherheit und die angespannte Haushaltslage. Wir erwarten dort keine vergleichbaren fiskalischen Impulse wie in Deutschland. Übergewichtet sind dagegen Südeuropa, insbesondere Italien, Spanien und Griechenland.
Und Ihr persönliches Fazit zum neuen Ansatz?
Der neue Ansatz hat sich bewährt. Wir konnten sowohl in steigenden Marktphasen als auch in volatileren oder schwächeren Phasen Alpha generieren, weil wir schneller, flexibler und thematisch offener agieren. Genau das hilft uns, Marktverwerfungen zügig zu nutzen. Trotz aller Zuversicht bleibt das Umfeld anspruchsvoll – aber wir sehen uns mit dem weiterentwickelten Konzept des Lupus alpha Dividend Champions gut aufgestellt.

