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Lupus alpha

30.01.2024

Raus aus der Sinnkrise!

Haben Sie es auch bemerkt? In Deutschland herrscht eine seltsame Stimmung in den ersten Wochen des neuen Jahres: Erst legen wir uns mit Bauernprotesten und Bahnstreiks lahm, dann lassen wir uns durch ein bisschen Schnee und Eis (ja, so etwas gibt es im Januar) in Panik versetzen und schließen per staatlicher Unwetterwarnung schon mal vorsorglich Schulen und Flughäfen. Unsere Politik, die ja bekanntlich genug andere Probleme hat, kümmert sich wirklich um alles – und fördert damit die Vollkaskomentalität in unserer Gesellschaft.

von Ralf Lochmüller, Gründungspartner und CEO von Lupus alpha

 

Unsere Probleme sind auch im neuen Jahr nicht kleiner geworden, im Gegenteil: Wir sind verstrickt in einer lähmenden Haushalts- und Regierungskrise, hadern mit unserer ungewohnten Rolle als Konjunkturschlusslicht in Europa, scheuen uns vor einer konsequenten Einwanderungspolitik, kämpfen mit Fachkräftemangel und Bildungsmisere und schauen fassungslos auf die immer größeren Defizite in Infrastruktur und Digitalisierung. Ganz zu schweigen von den geopolitischen Risiken und kriegerischen Auseinandersetzungen in der Welt.

Ich gebe zu, dass Mut und Zuversicht da schon mal verfliegen können und sich Abstiegsszenarien geradezu aufdrängen. Solche Szenarien lähmen jedoch, statt zu motivieren. Sie lassen eine Entwicklung als zwangsläufig erscheinen, die es so nicht ist. Aber die Frage darf schon mal erlaubt sein: Warum scheint uns in Deutschland in letzter Zeit so verflixt wenig zu gelingen?

Wie immer gibt es nicht DIE eine Ursache. Aber eine Konstante als Begründung ist erkennbar:

Unsere Gesellschaft wird immer risikoaverser...

Unser Mut und Gestaltungswille, so scheint es, ist uns spätestens seit der Coronakrise abhandengekommen. Wir sind heute Weltmeister im Bedenkentragen, im Regulieren und im Debattieren des kleinsten gemeinsamen Nenners. Wir haben so viel Angst davor, falsche Entscheidungen zu treffen und das Erreichte zu gefährden, dass wir am besten gar keine Risiken mehr eingehen.

Menschlich kann ich nachvollziehen, dass die Dauerkrise, in der wir derzeit stecken, verunsichert. Seit der Pandemie treffen uns Krisen in einer nicht gekannten Dichte und Härte. Es gibt kaum Zeit zum Luftholen oder Reflektieren. Krisen hat es in der Vergangenheit zwar schon immer gegeben, wie den Ölschock in den 1970ern oder die Finanzkrisen in den 2000ern. Allerdings trafen uns diese in einer Welt, die eher zusammenwachsen und kooperieren wollte. Diese Ordnung löst sich gerade auf und bietet keine Sicherheiten und Gewissheiten mehr.

... und die Politik fördert dies noch

Es ist eine Binsenweisheit, dass Krisenzeiten eine starke Führung erfordern. Unsere Politik verwechselt Führungsstärke nur leider mit staatlichen Eingriffen. Subventionen, die während einer Krise durchaus sinnvoll sind, haben in den letzten Jahren zu einer stetig steigenden Staatsquote in Deutschland geführt. Damit ruiniert der Staat aber nicht nur seine Finanzen, sondern manifestiert auch eine falsche Anspruchshaltung in unserer Gesellschaft.

Wir entwickeln uns zunehmend zu einem "Nanny-Staat", der für jedes Problem die vermeintlich beste Lösung und passende Förderung hat. Klar, es ist in einer Krise enorm beruhigend, dass irgendwann ein rettender Engel auftritt und staatliche Hilfen verteilt. Was dabei aber auch passiert: Wir geben die Verantwortung für die Lösung des Problems ab - und damit auch die Freiheit und Eigeninitiative, uns selbstständig aus einer schwierigen Situation herauszuarbeiten.

Der Mittelstand zeigt, wie es geht

Dagegen machen mir unsere Gespräche mit den Unternehmen aus unserem Anlageuniversum Mut. Die Unternehmer und Manager der kleinen und mittleren Unternehmen nehmen die aktuelle Lage in Deutschland ganz anders wahr. Bemerkenswert ist ihr Optimismus – allen Krisen zum Trotz. Ihr Tenor: Wer in der Krise auf Innovation und Transformation setzt, ist hinterher stärker als zuvor.

Und die Fähigkeit, Krisen in Chancen zu verwandeln, haben viele dieser Unternehmen in der Vergangenheit bewiesen. Weil sie investieren, wenn andere sich zurückziehen, weil sie neue Geschäftsmodelle sehen, wo andere nur Risiken erkennen und weil sie sich vor allem schnell und flexibel an geänderte Rahmenbedingungen anpassen können. Warum lässt sich diese Haltung nicht auf den Rest der Republik übertragen?

Wir müssen uns auf unsere Stärken besinnen

Deutschland besitzt genug Gründe, um selbstbewusst in die Zukunft zu blicken. Wir sind nach wie vor besser als die meisten anderen Staaten der Welt dafür gerüstet, zu den Gewinnern des 21. Jahrhunderts zu gehören. Hier seien nur einige der Gründe genannt:

  • Wir besitzen eine breite industrielle Basis, sind traditionell stark in der Automobilindustrie, im Maschinenbau, in der Elektroindustrie, aber auch im Bereich der Energietransformation.
  • Wir haben einen erfolgreichen und innovativen Mittelstand. Nirgendwo sonst gibt es so viele Weltmarktführer wie in Deutschland, die ganz unabhängig von politischen Eliten oder pandemischen Krisen ihre Innovationen vorantreiben.
  • Wir verfügen über gut ausgebildete Fachkräfte und kluge Köpfe in Deutschland, die die Zukunft besser machen wollen, an intelligenten Lösungen arbeiten und neue Technologien vorantreiben.
  • Wir haben innovative Wachstumsunternehmen: Laut einer aktuellen Analyse der VC-Plattform TechTour kommen 10 der 50 stärksten Wachstumsunternehmen in Europa aus Deutschland.
  • Wir haben ein ausgeprägtes Unternehmertum. Ein aktuelles Beispiel für eine erfolgreiche und vielversprechende Gründung ist Aleph Alpha im Bereich der generativen KI.
  • Und, was viele vernachlässigen: Wir profitieren auch ohne Microsoft & Co. von den Zukunftstechnologien. Wir können zwar nicht mit den Big Tech konkurrieren. Es gibt bei uns aber eine Reihe von Unternehmen, die sich erfolgreich rund um KI oder Quantentechnologie positioniert haben und mit ihren Services für die Großen unverzichtbar sind.

Geben wir uns einen Ruck!

Klingt vielleicht doch alles gar nicht so schlecht? Genau. Oft ist es nur eine Frage der Betrachtung (auf Neudeutsch: des Mindsets), wie man eine Situation bewertet und angeht.

Nehmen wir uns ein Beispiel an unserem Mittelstand und trauen uns endlich aus unserer Lethargie heraus! Die wichtigsten Innovationen und Entwicklungsschritte folgen oft nach Krisenzeiten. Und dann ist man immer wieder überrascht, was alles möglich ist, obwohl man es gestern noch für unmöglich gehalten hat. Es gibt keinen vorgezeichneten Weg nach unten für Deutschland. Wir haben es selbst in der Hand, 2024 zu den Ländern zu gehören, die mit Zuversicht ihre Zukunft gestalten oder zu den Ländern, die in ihrem Status Quo feststecken und vor allem Abwehr- und Verteilungskämpfe führen.

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